“Info-Direkt” – Die Verantwortlichen im Augenschein – Teil 1 Ulrich Püschel

In dieser Recherchereihe werden die (bisher bekannten) Hauptverantwortlichen des Magazins „Info-Direkt“ näher vorgestellt. Dabei versuchen wir, die Vergangeheit der Redakteure, ihre kontinuierlichen Aktivitäten im organisierten Rechtsextremismus und ihre enge Verstrickung mit der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ in einem historischen Abriss möglichst genau darzustellen.

Verdeutlicht werden soll, dass sich die Beteiligten nie von ihrer rechtsextremen bis neonazistischen Vergangenheit distanziert haben, bzw. wenn sie es taten, sie nachweislich logen. In den meisten Fällen kann eine kontinuierliche rechtsextremistische Arbeit beobachtet werden, einzig der öffentliche Druck führte manchmal zu Arbeits -und Ortswechseln. Das Magazin „Info-Direkt“ stellt hierbei nur eine der letzten Ausformungen rechtsextremer Öffentlichkeitsarbeit dar.

Um so besorgniserregender ist die festzustellende Nähe mit der FPÖ, teilweise sind die Akteure selber in FPÖ-Strukturen aktiv. Wenn es solchen Menschen ermöglicht wird in Regierungen mitzubestimmen, wie in Oberösterreich der Fall, dann rückt ein autoritär und rassistisch enthemmter Staat in greifbare Nähe.

Die Redaktion des rechtsextremen Magazins hielt sich seit dem Bestehen 2015 recht bedeckt. Anfangs waren nur die im Vereinsregisterauszug von “Info-Direkt” des „Verein für Meinungsfreiheit und unabhängige Publizistik“ aufscheinenden Personen bekannt: Karl Winkler und Gertrude Stain.

Relativ schnell schien es allerdings so, als wären diese zumindest zum Teil vorgeschoben worden, um die tatsächlich Involvierten nicht verraten zu müssen. Über mehrere Monate hinweg kamen dann nach und nach die Beteiligten zum Vorschein. Durch die namentliche Nennung in Interviews oder bei Vorträgen und Podiumsdiskussionen bei denen die Verantwortlichen für das Magazin auftraten, konnten so bisher fünf weitere Personen klar dem Magazin zugerechnet werden: Jan Ackermeier, Michael Scharfmüller, Ulrich Püschel, Stefan Juritz und Felix Müller. Mittlerweile stehen auch vier der hier genannten als die offiziellen Verantwortlichen auf der “Info-Direkt”-Seite.

id(Stand 31.10.2017 info-direkt.eu/ueber-info-direkt/)

Seit dem zehnten August gibt es auch die “Info-DIREKT VerlagsGmbH” in der Scharfmüller, Püschel und Ackermeier als Gesellschafter auftreten. Michael Scharfmüller gibt dabei den Geschäftsführer.

Als dem Magazin nahestehend, doch nicht einwandfrei zurechenbar, können noch Detlef Wimmer, Hermine Püschel, Stefan Magnet und Wolfgang Grabmayr genannt werden. Zu einigen dieser Personen haben wir schon in unserem Artikel zum rechtsextremen „Kongress der Verteidiger Europas“, der von „Info-Direkt“ mitorganisiert wurde, berichtet.

Letzlich sind noch die engen Kontakte der “Info-Direkt” Mitarbeiter zu den Identitären hervorzuheben. In den neueren Ausgaben schreiben bekannte Gesichter der Identitären regelmäßig Artikel, zu nennen wären da vor allem Alina Wychera, Siegfried Waschnig und Patrick Lenart.
Mit Stefan Juritz, auf den wir in einem speziellen Artikel noch genauer eingehen werden, arbeitet sogar ein Identitärer bei “Info-Direkt”. Auch inhaltlich legt die Redaktion von “Info-Direkt” einen starken Fokus auf die Aktionen, Projekte und Ideologien der Identitären und entwickelt sich damit langsam zum wichtigsten Sprachrohr für die Identitären in Österreich.
Wie schon oben beschrieben sollen die folgenden Teile der Recherchereihe in Form eines historischen Abrisses gehalten werden. Wir werden bei den einzelnen Personen immer bei der frühesten uns bekannten Information beginnen, um die (rechtsextremen) Tätigkeiten und Verbindungen möglichst genau nachzuzeichnen.

Teil 1 – Ulrich Püschel

 

Auf den damals noch sehr jungen Ulrich Püschel stoßen wir 2008, als dieser an einer Anti-Eu Demonstration teilnahm, an der auch bekannte Neonazis und Rechtsextreme mitmarschierten.
Das T-Shirt lässt auf seine damalige Zugehörigkeit zu “Rettet Österreich” schließen. Die Anti-Eu Kleinpartei kam damals auch wegen der Nähe des Bundesobmanns zu Neonazis in die Medien.

editpüschel anti eu

Der Rechtsextremist Ludwig Reinthaler (links) und Ulrich Püschel.

Als 2009 die FPÖ in Linz die neue Ortsgruppe Urfahr-Mitte gründet, übernimmt für diese der 21-jährige Student Ulrich Püschel den Posten des Obmann-Stellvertreters unter dem Obmann Markus Hein (B! Arminia Czernowitz). In diese Zeit fällt wahrscheinlich auch der Einstieg Ulrich Püschels in die deutschnationalistische Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz.

Diese veranstaltet 2010 in Linz einen Vortragsabend mit dem rechtsextremen Publizisten Richard Melisch und wirbt dafür mit einem nur wenig kaschierten NSDAP-Motiv, einer Schlange, die sich um Arm und Faust windet. Konkreter Organisator des Abends soll laut “Linz gegen Rechts” Ulrich Püschel gewesen sein.

Die FPÖ Linz feiert ihre 2012 Sonnwendfeier gemeinsam mit der Burschenschaft Arminia Czernowitz auf dem Ellbognergut. Der Vierkanter in Linz gehört Karl Winkler, langjähriger Funktionär des ÖTB (Österreichischer Turnerbund) und Vorsitzender der „Österreichischen Landsmannschaft“ (ÖLM) in Oberösterreich. Dieser selbsternannte Vertriebenenverband wird vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextreme Organisation eingestuft. Die Landmannschaft pflegt laut DÖW enge personelle und organisatorische Verbindungen zur FPÖ und unterhält rege Kontakte zur NPD und anderen stramm-rechten Organisationen. An der Sonnwendfeier gegen die sich auch linker Protest regte, nahmen Neonazis, FPÖler und Burschenschafter teil. Auch Ulrich Püschel, Felix Müller und Detlef Wimmer waren dort.

püschel und co sonnwendfeierv.l.n.r. unbekannt, Philipp Kellermann (exBFJ), Bundesrat für die FPÖ Michael Raml(B! Arminia Czernowitz), Ulrich Püschel (B! Arminia Czernowitz) und Herwig Huber.

Püschel und OrtnerUlrich Püschel und Sebastian Ortner (ehemals VAPO und Klubobmann der FPÖ Linz[2][3])

 

haimbuchner, müller, raml, Püschelv.l.n.r. Manfred Haimbuchner, Felix Müller, Michael Raml und Ulrich Püschel

 

Die erste Ausgabe des Magazins „Info-Direkt“ wird im März 2015 veröffentlicht , als Impressum der Hompage info-direkt.at (später .eu), wird der „Verein für Meinungsfreiheit und unabhängige Publizistik“ angegeben. Wie schon oben beschrieben finden sich Karl Winkler und Gertrude Stain im Vereinsregisterauszug. Als Kontaktadresse wird zuerst die Dieselstraße 4/28 4030 Linz angegeben, später wird daraus die Ellbognerstraße 60, 4020 Linz, die Adresse des oben schon erwähnten Ellbognerguts. Laut Recherchen von VICE (Link) ist an der Dieselstraße 4/28 die Firmenadresse des FPÖlers Wolfgang Grabmayr (B! Arminia Czernowitz).

Im April 2015 heiratet Ulrich Püschel seine Arbeitskollegin bei der FPÖ Hermine Winkler.
Auf Hermine Winkler (Tochter von Karl Winkler) und ihrer Nähe zu “Info-Direkt” werden wir in einem weiteren Teil der Recherchereihe noch näher eingehen.

Püschel Heirat

Karl Winkler, hermine ulrich Püschelv.l.n.r. Karl Winkler, Hermine Winkler und Ulrich Püschel auf dem Burschenbundball 2015 kurz vor der Hochzeit. (Foto von cityfoto.at)

Kurze Zeit danach wird Ulrich Püschel auf einer Demonstration der Identitären in Spielfeld gesichtet.

püschel, juritz, kellermannv.l.n.r. Ulrich Püschel, Stefan Juritz (IB) und Philipp Kellermann (exBFJ)

 

Ende 2015 arbeitet Ulrich Püschel nach Angaben des Stadtrats Markus Hein weiterhin für die FPÖ in Linz.

Hein, Püschel FPÖ Linz

 

Im Vereinsregisterauszug 2016 der Burschenschaft Arminia Czernowitz scheint Ulrich Püschel nun als Schriftführer auf.

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Im Sommer beteiligt sich dieser an einer Demonstration der Identitären in Wien.

Huber, PüschlHerwig Huber und Ulrich Püschel im Gespräch am Westbahnhof in Wien.

2017

Die Identitären halten im Frühjahr einen Kongress in Graz ab, bei dem sich auch „Info-Direkt“ präsentiert. Bei der Präsentation unterläuft den Identitären ein Fehler und statt dem tatsächlichen Vortragenden Michael Scharfmüller wird Ulrich Püschel angekündigt. Dies ist die erste uns bekannte namentliche Nennung der beiden im Kontext „Info-Direkt“. Beide waren dann auch beim identitären Kongress anwesend.

scharfmüller, püschel“Info-Direkt” Präsentation beim identitären Kongress, rechts der Vortragende Michael Scharfmüller.

festerling podiumsdiskussion linzTatjana Festerling “If they keep crossing the border and you can’t arrest them, shoot them.“ (exAFD, exPEGIDA, Fortress Europe) erzählt auf Facebook von ihrer Teilnahme an einer Podiumsdiskussion im Februar 2017 im alten Rathaus in Linz gemeinsam mit Ulrich Püschel.

Auch im Jahr 2017 ist Püschel anscheinend weiterhin Mitarbeiter in der FPÖ, nämlich als Mitarbeiter des Planungs und Infrastrukturstadtrat Markus Hein (ebenfalls B! Arminia Czernowitz).
hein püschel 2017
Im September 2017 nahmen Ulrich und Hermine Püschel an der Demonstration der Identitären am Kahlenberg teil.

püschel kahlenbergDas Ehepaar Püschel beim Start der Kahlenberg-Demonstration.

Wenig später wurden sie bei der Teilnahme einer Veranstaltung des rechtsextremen “Institut für Staatspolitk” in Schnellroda, Deutschland gesichtet.

ulrich Püschel schnellroda 2017  Hermine Püschel Schnellroda 2017

 

Zusammenfassend:

Als Ulrich Püschel 2009 zur FPÖ in Oberösterreich stieß, war diese damals wie heute durchsetzt von deutschnationalistischen Burschenschaftern. Vor allem in der Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz sind zahlreiche FPÖler vertreten und Püschel schloss durch diese sicherlich auch einige Kontakte zu höheren FPÖ-Funktionären, aber auch zu den neonazistischen Kreisen, die in der FPÖ immer wieder ans Tageslicht kommen. Gerade die obigen Fotos von der Sonnwendfeier der FPÖ 2012 am Ellbognergut machen dies deutlich: Als ehemalige Mitglieder des “Bund freier Jugend” (einer neonazistischen Gruppe in den 2000ern in Oberösterreich), ein ehemaliges VAPO-Mitglied und hochrangige FPÖler, wie Detlef Wimmer oder Manfred Haimbuchner gemeinsam feierten. Durch die Zusammenarbeit mit Hermine Winkler (später Püschel) in der FPÖ dürfte Ulrich Püschel dann auch Jan Ackermeier kennengelernt haben. Dieser ist ebenfalls einer der Hauptverantwortlichen für “Info-Direkt” und wird in Teil 2 unserer Reihe genauer beleuchtet werden. Auch die Begegnung mit Michael Scharfmüller, dem ehemaligen BFJler, (mehr dazu in Teil 3) dürfte zu dieser Zeit geschehen sein. Wie sich Ulrich Püschel und der “Koordinator” für info-direkt.eu und Identitäre Stefan Juritz (Teil 4) kennengelernt haben, kann ebenfalls nur gemutmaßt werden. Vielleicht trafen sie sich auf einer der vielen Identitären-Demos, auf denen sie gemeinsam waren oder schon früher durch burschenschaftliche Kontakte.
Kontakte in Richtung Identitäre hat Püschel jedenfalls viele, das zeigen die Präsentation auf dem Identitären Kongress 2017, seine Teilnahme an ihren Demonstrationen und vor kurzem die Teilnahme an einer“IfS” Veranstaltung in Schnellroda, gemeinsam mit zahlreichen Identitären aus Deutschland. Inwiefern die Arbeit Püschels für den Linzer Stadtrat Hein sich mit der Arbeit für das Magazin “Info-Direkt” überschneidet, kann von uns leider nicht beantwortet werden. Auch ob Püschel als Magister der Rechtswissenschaften noch anderen Orts eine Arbeitsstelle hat, ist uns leider nicht bekannt.

Titelfoto von hier.