“Info-Direkt” – Die Verantwortlichen im Augenschein – Teil 2 Jan Ackermeier

Wie schon angekündigt, behandelt der zweite Teil unserer Recherchereihe den Burschenschafter und FPÖ-Mitarbeiter Jan Ackermeier. Dieser ist kein unbeschriebenes Blatt, seine politischen Tätigkeiten am rechten Rand waren schon öfters im Fokus von JournalistInnen. Wir werden dennoch versuchen, einen biografischen Überblick von Jan Ackermeiers Karriere im Rechtsextremismus zu erstellen, die teilweise verstreuten Informationen zusammenzufassen und mit neuen zu ergänzen.

Ackermeier (*1978) kommt ursprünglich aus Deutschland (vermutlich Niedersachsen), wo er, wahrscheinlich direkt nach dem Abitur, 1997 Soldat der Bundeswehr wird.

2005 beginnt er das Studium der Politkwissenschaft in Bielefeld und wird relativ zeitgleich Mitglied der Burschenschaft Normannia-Nibelungen. [1]

Im Jahr 2007 kommt er gemeinsam mit Malte Eikmeier (ebenfalls B! Normannia-Nibelungen) nach Wien, wo beide Mitglied der Burschenschaft Teutonia Wien werden. [2]

Die guten Kontakte des burschenschaftlichen Milieus zahlen sich für ihn aus und er wird 2008 parlamentarischer Mitarbeiter für die FPÖ, konkreter für die Nationalratsabgeordneten Harald Stefan (B! Olympia), Christian Höbart (pB! Tauriska Baden) und FPÖ-NAbg. Johannes Hübner [3].

Im gleichen Jahr beginnt Ackermeier auch für die neonazistische Zeitung “Der Eckart” und der Wochenzeitung “Zur Zeit” Artikel zu schreiben.

Wie in den Protokollen des Burschentags 2009 der “Deutschen Burschenschaft” (der burschenschaftliche Dachverband der 2011 über einen Ariernachweis für Mitglieder debatierte [4]) zu lesen ist, war Ackermeier auch in dieser Zeit Verlagsbeauftragter der Verbandszeitschrift “Burschenschaftliche Blätter”. [5]

Ackermeier am Nowotny-Gedenken 2008.

Seine Karriere kommt 2010 kurz ins Stocken, als im Wahlkampf herauskommt, dass Ackermeier eine “Andreas-Hofer-Wander- und Vortragswoche” für die rechtsextreme “Junge Landsmannschaft Ostdeutschland” (JLO) organisiert. [6]
Seit 1999 organisiert diese auch den sogenannten “Trauermarsch” in Dresden, der sich zu einem der wichtigsten und größten Aufmärsche der Neonazi-Szene Europas entwickelte.
Als Reaktion wird Ackermeier von dem FPÖ-NAbg. Harald Stefan gefeuert. [7]
Dieser Rauswurf trifft Ackermeir nicht allzu hart, da er weiterhin für den FPÖ-NAbg. Christian Höbart arbeiten darf.

Als Ackermeier einige Jahre später von der ehemaligen Rechercheplattform der Grünen “Stoppt die Rechten” wegen der Behauptung, er habe als Teil der JLO auch den Neonazi-Aufmarsch in Dresden mitorganisiert, eine Gegendarstellung einforderte, er sei “weder Funktionär noch Mitglied” gewesen, kamen nach Recherchen des “Spiegels” neue Fakten auf. Laut einem Protokoll der Bundesvorstandssitzung der JLO vom Juli 2010 war Ackermeier sowohl Beisitzer des Bundesvorstands und Protokollfürer, als auch Ansprechpartner für Zukünftige “Ostlandfahrten”. [8]

Kurz nach der Wiener Landtagswahl im Oktober 2010 veröffentlicht die Burschenschaft Teutonia Wien eine “Klarstellung” in der sie sich hinter Ackermeier stellt. Seine Vorgehensweise sei “im Einklang mit der Bundlinie” und er genieße das “vollste Vertrauen”. Weitere Informationen zur Burschenschaft Teutonia Wien und ihren Mitgliedern gibt es hier und hier. [9]

Ackermeiers Einfluss und seine Kontakte bauen sich immer weiter aus, 2011 scheint er nun als Obmann-Stv. des rechtsextremen “Kulturwerk Österreich auf”. [10]

Ab September 2011 fungiert er als Chefredakteur des Wochenmagazins “Zur Zeit”, bei der auch sein ehemaliger Vorgesetzer Johannes Hübner Gesellschafter ist. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands bezeichnet diese als publizistisches Bindeglied zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus. Diese Position wird er bis 2013 innehaben, bis er vom Sohn des Herausgebers Wendelin Mölzer abgelöst wird. [11]

Ende des Jahres hält Ackermeier beim 1. Stiftungsfest der pennalen Burschenschaft Markomannia Eisenstadt die Festrede und scheint im zugehörigen Artikel nun als Redakteur des “Eckart” auf. [12]

Im November des Jahres 2012 hält Ackermeier einen Vortrag bei einer der am weitesten rechts stehenden Burschenschaften Deutschlands, der Raczek zu Bonn. [13]

Die Burschenschaft Normannia-Nibelungen Bielefeld organisiert 2013 unter der Leitung vom Jan Ackermeier ein sogenanntes „Medienseminar“. [14]

In einem Standardartikel vom 7. April 2014 werden die verschiedenen Arbeitsverhältnisse Jan Ackermeiers für die FPÖ gesammelt. Dabei zeigt sich, dass Ackermeier nicht nur für Nabg. Höbart, sondern auch für den FPÖ-Nabg. Reinhard Bösch (B! Teutonia) und für den damaligen FPÖ-EU-Abgeordneten und „Zur Zeit“ Herausgeber Andreas Mölzer arbeitet. [15]

v.l.n.r. Siegfried Arthofer (pB! Donauhort-Aschach), Gerhard Wolf (FPÖ, RfJ, B! Teutonia Wien), Burkhard Mötz (B! Teutonia Wien), Jan Ackermeier, Christine Winkler (zukünftig Ackermeier, M! Freya Wien) und Reinhard Bösch (FPÖ, B! Teutonia Wien) am Burschenbundball 2014 in Linz. Foto: cityfoto.at

v.l.n.r. Anneliese Kitzmüller (FPÖ, M! Iduna zu Linz, pM! Sigrid zu Wien), Wolfgang Kitzmüller (FPÖ, B! Arminia Czernowitz), Hermine Winkler (zukünftig Püschel, FPÖ, M! Freya zu Wien), Christine Winkler (zukünftig Ackermeier, M! Freya zu Wien), Ulrich Püschel (FPÖ, B! Arminia Czernowitz), Jan Ackermeier und Burkhard Mötz (B! Teutonia Wien). Foto: cityfoto.at

In burschenschaftlichen Kreisen als Vortragender scheinbar sehr beliebt hielt er im Juni 2014 einen Vortrag zur “Konservativen Revolution 1918 – 1932” und im Herbst 2014 eine Festrede bei der Burschenschaft Germania Ried zu der Geschichte des Waffentragens. [16]

Die sprunghafte Karriere Ackermeiers nimmt auch im Jahr 2015 kein Ende und so taucht er jetzt auch als Vorstandsmitglied der FPÖ Korneuburg auf. [17]
Auch im Purkersdorfer Jagdclub wird Ackermeier zu dieser Zeit gemeinsam mit dem Burschenschafter und FPÖ-Politiker Jürgen-Michael Kleppich aufgenommen.

Im oben angesprochenen rechtsextremen “Kulturwerk Österreich” ist Ackermeier weiterhin aktiv und seit Februar 2015 in der Landesgruppe Kärnten Kassier.

2016 tritt Jan Ackermeier seine neue Stelle in der Landesgeschäftsstelle der FPÖ Oberösterreich an.

http://www.fpoe-ooe.at/landesgeschaeftsstelle/

Am 24.09.2016 heiratet Jan Ackermeier Christine Winkler (M! Freya Wien), die Schwester von Hermine Püschel (M! Iduna Linz, M! Freya Wien).

Beim Kongress “Verteidiger Europas” am 29. Oktober 2016 in Linz übernimmt er die Vertretung von “Info-Direkt” in der abschließenden Podiumsdiskussion.

Bernhard Tomaschitz (Redakteur “Zur Zeit”), Roland Hofbauer (“Alles Roger?”) , Alexander “Malenki” Kleine (Identitärer), Walter Asperl (FPÖ, “unzensuriert.at”), Alexander Surowiec (“Fass Ohne Boden”), Jan Ackermeier und Jürgen Elsässer (“Compact”-Magazin) am Podium.

v.l.n.r. Jan Ackermeier, Sascha Hirz (B! Arminia Czernowitz) , Manfred Haimbuchner (C! Alemannia Wien zu Linz), Hubert Schreiner (FPÖ), Erwin Schreiner (FPÖ) und Heinz-Christian Strache beim Wahlkampf in Oberösterreich 2017. Foto: cityfoto.at

Ebenso wie Ulrich Püschel ist Jan Ackermeier seit August 2017 teil der “InfoDirekt VerlagsGmbH.

Am 22. November wird Ackermeier “Info-Direkt” bei einer Podiumsdiskussion vertreten, an der auch FPÖ-NAbg. Roman Haider und FPÖ-Bundesrat Michael Raml teilnehmen werden. [18]

Fazit:

Ackermeiers Teilnahme am Projekt “Info-Direkt” stellt, ob seiner jahrelangen Tätigkeit in rechtsextremen Redaktionen, keine Überraschung dar. Er schrieb in seinen zehn Jahren in Österreich für die wichtigsten Medien des österreichischen Rechtsextremismus, ja war sogar Chefredakteur (“Zur Zeit”) und Redakeur (“Der Eckart”). Sein Verhalten bezüglich seiner Beteiligung in der JLO ist exemplarisch für den Umgang der meisten FPÖlerInnen, denen eine Nähe zum Neonazismus nachgewiesen werden konnte: Zuerst wird abgestritten, dann abgewiegelt und schließlich geschwiegen, wenn die Beweislast zu schwerwiegend wird.
Ackermeier ist aber auch ein weiterer Beweis dafür, dass die FPÖ, mit Leuten die mit Neonazis gemeinsame Sache machen, kein Problem hat. Bei manchen wird auf die sogenannten “Jugendsünden” verwiesen, wenn dies nicht geht wie im Fall Ackermeier, wird versucht, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Nur in ganz harten Fällen, oder wenn es in interne Machtkämpfe passt, müssen FPÖler den Hut nehmen.
So verdient Ackermeier weiterhin seinen Unterhalt über die FPÖ und kann diesen direkt in diverse rechtsextreme Zeitschriften stecken.
Wann genau Ackermeier zu “Info-Direkt” stieß ist uns leider unbekannt, wahrscheinlich ist er, wie schon im ersten Teil der Reihe erwähnt, durch Ulrich Püschel dazugestoßen. Seine Beteiligung wurde erst mit der Organisation des “Kongress Verteidiger Europas” in Linz 2016 deutlich. Seitdem gehört er zum Kernteam der Zeitschrift und ist mittlerweile auch Gesellschafter.

Im dritten Teil unserer Reihe werden wir uns mit der neonazistische Vergangenheit des Geschäftsführers von “Info-Direkt” Michael Scharfmüllers näher auseinandersetzen.

Quellen: