Zielgruppengerechte Werbung

Wie die Tageszeitung „Heute“ berichtet, wirbt der Alumni-Club der Johannes-Kepler Universität Linz derzeit in einer Werbebroschüre des Burschenbundballs 2019 mit den Worten „… so bleiben wir doch treu“ um neue Mitglieder. Die Verwendung von SS-Liedzeilen als Werbemittel ist zwar für die TeilnehmerInnen des alljährlichen Treffens von rechtsextremen Burschenschaften sicher ansprechend, alle politisch nicht ganz rechtsaußen stehenden Menschen sollten sich jetzt aber fragen, was sich die „Kepler-Society“ dabei denkt, in diesen Kreisen nach Mitgliedern zu fischen und dabei auch noch derartige Mittel anzuwenden.

(Quelle: Twitter)

Verantwortlich zeichnen dürfte dafür Johannes Pracher, der Geschäftsführer der „Kepler-Society“ und um besser zu verstehen, wie es zu dieser Werbung kommen konnte, haben wir uns diesen etwas genauer angeschaut.

Prachers politische Karriere startete schon früh, als er in seiner Schulzeit in die Mittelschülerkartellverbindung (MKV) K.Ö.St.V. Frankonia zu Linz eintrat. Nach seiner Matura begann dann sein Aufstieg in der Jungen ÖVP (JVP) bis zum Bezirksobmann und schließlich in die Parteileitung der ÖVP in Oberösterreich als Leiter des Zielgruppen-,Service- und Stellenreferats bis 2012. In der ÖVP dürfte Pracher bis heute Parteimitglied sein. Während seinem Studium trat er dann auch der Studentenverbindung K.a.V. Austro-Danubia Linz des Cartellverbands (CV) bei. Ab dem Jahr 2014 übernahm er die Geschäftsführung der „Kepler-Society“ und in den folgenden Jahren besuchte er mehrmals den oben genannten Burschenbundball in Linz.

v.l.n.r. Johann Josef Mucha (B! Arminia Czernowitz und Mitglied des Ballausschusses), ? und Johannes Pracher auf dem Burschenbundball 2017

Die guten Kontakte zu rechtsextremen Kreisen zahlten sich für Pracher im Jahr 2016 aus, als ihn die FPÖ als “unabhängigen Experten” in den Aufsichtsrat der „Creative.Region Linz & Upper Austria GmbH“ entsandte.

Die Werbung der “Kepler-Society” in der Broschüre des Burschenbundballs ist also durchaus kein Zufall und der ganze Skandal ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die fehlenden Berührungsängste der elitär-konservativen Teile der Gesellschaft mit den rechtsextremen Burschenschaften und deren Gedankengut. Die Verwendung von SS-Liedzeilen als zielgruppengerechte Mitgliederwerbung ist dabei nur die logische Konsequenz.

Nachtrag: Bemerkenswert schnelle Reaktionsfähigkeit bewies die Johannes-Kepler Universität (JKU), die ankündigte, dass es für Johannes Pracher dienstrechtliche Konsequenzen geben werde. Vielleicht überlegt sich jetzt auch der Rektor der JKU Meinhard Lukas, auf welche Bälle er in Zukunft verzichten wird, besucht dieser doch seit Jahren ebenfalls den Burschenbundball.